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Sparen & Anlegen · Grundlagen

Was ist der Zinseszins?

Der Zinseszins ist der wohl stärkste Hebel beim langfristigen Sparen: Bereits gutgeschriebene Zinsen werfen im nächsten Jahr selbst wieder Zinsen ab. Über lange Zeiträume wächst das Kapital dadurch nicht linear, sondern exponentiell — mit Formel, Rechenbeispiel und den Faktoren, die den Effekt bremsen.

Stand: Januar 2026 Mit Formel & Rechenbeispiel
Direkt beantwortet

Zinseszins bedeutet Zinsen auf Zinsen: Wer einen Ertrag nicht entnimmt, sondern wieder anlegt, verzinst im Folgejahr nicht nur das Kapital, sondern auch die bereits erhaltenen Zinsen. Über Jahrzehnte wächst das Kapital dadurch exponentiell — aus 10.000 € werden bei 5 % in 30 Jahren rund 43.219 € statt 25.000 € bei einfacher Verzinsung.

Zinseszins — Definition

Der Zinseszins ist der Zins, der auf bereits gutgeschriebene Zinsen anfällt. Werden Erträge im Kapital belassen (thesauriert), wächst die Verzinsungsbasis von Periode zu Periode — das Kapital entwickelt sich exponentiell statt linear.

Wie funktioniert der Zinseszins?

Der Unterschied zeigt sich am einfachsten im Vergleich zur reinen, „einfachen" Verzinsung, bei der die Zinsen jedes Jahr ausgezahlt und nicht wieder angelegt werden. Ein Beispiel mit 10.000 € Startkapital und 5 % Zinsen pro Jahr:

  • Jahr 1: 5 % auf 10.000 € = 500 € Zinsen. Neues Kapital: 10.500 €.
  • Jahr 2: 5 % jetzt auf 10.500 € = 525 € Zinsen — also 25 € mehr als im Vorjahr, allein weil die Zinsen aus Jahr 1 mitverzinst werden.
  • Jahr 3: 5 % auf 11.025 € = 551,25 € Zinsen. Der jährliche Zuwachs wird immer größer.

Diese 25 € „Zins auf den Zins" wirken anfangs unscheinbar. Über Jahrzehnte aber summieren sie sich zu dem entscheidenden Unterschied — wie das Rechenbeispiel weiter unten zeigt.

Wie lautet die Zinseszinsformel?

Mathematisch lässt sich das Endkapital für ein Startkapital ohne weitere Einzahlungen mit einer kompakten Formel berechnen.

Endkapital = Startkapital × (1 + p)n
p = Zinssatz pro Jahr als Dezimalzahl (5 % = 0,05) · n = Anzahl der Jahre. Der Ausdruck (1 + p)n ist der sogenannte Aufzinsungsfaktor.

Für das Beispiel oben mit 10.000 € über 30 Jahre bei 5 %: 10.000 € × (1,05)30 = 10.000 € × 4,322 ≈ 43.219 €. Der exponentielle Term (1,05)30 ist der Kern des Zinseszins-Effekts — er steigt mit der Laufzeit überproportional an.

Monatliche statt jährliche Gutschrift

Werden Zinsen unterjährig — etwa monatlich — gutgeschrieben, fällt das Ergebnis minimal höher aus, weil die Zinsen früher mitverzinst werden. Pro Periode wird dann mit dem anteiligen Zinssatz (p ÷ 12) gerechnet. Bei üblichen Zinssätzen ist der Unterschied über die Jahre klein, aber spürbar.

Rechenbeispiel: 10.000 € über 30 Jahre

Die Tabelle stellt für 10.000 € Startkapital bei 5 % Zinsen pro Jahr die einfache Verzinsung (Zinsen werden entnommen) dem Zinseszins (Zinsen bleiben angelegt) gegenüber. Beide starten gleich — und driften mit der Zeit immer weiter auseinander.

Nach …Einfache ZinsenMit ZinseszinsDifferenz
Start10.000 €10.000 €0 €
10 Jahren15.000 €16.289 €+1.289 €
20 Jahren20.000 €26.533 €+6.533 €
30 Jahren25.000 €43.219 €+18.219 €

Annahme: 10.000 € einmalig, 5 % p. a., jährliche Zinsgutschrift, keine weiteren Einzahlungen, vor Steuern und Inflation. Werte gerundet. Eigene Szenarien rechnest du im Zinseszins-Rechner.

Nach 30 Jahren liefert der Zinseszins mit rund 43.219 € fast das Doppelte der reinen Einzahlung — und über 18.000 € mehr als die einfache Verzinsung. Der Großteil dieses Vorsprungs entsteht erst in der zweiten Hälfte der Laufzeit. Genau deshalb ist der Faktor Zeit so entscheidend.

Warum ist Zeit der wichtigste Faktor?

Beim Zinseszins zählt die Laufzeit oft mehr als die Höhe der Sparrate oder ein paar Zehntelprozent mehr Zinsen. Wer früh anfängt, lässt den Effekt länger arbeiten — und die exponentielle Kurve wird gerade gegen Ende am steilsten.

Eine bekannte Faustformel ist die 72er-Regel: Sie schätzt, nach wie vielen Jahren sich ein Kapital bei gegebenem Zinssatz ungefähr verdoppelt.

Verdopplungszeit ≈ 72 ÷ Zinssatz
Beispiel: Bei 6 % dauert die Verdopplung rund 72 ÷ 6 = 12 Jahre; bei 3 % etwa 24 Jahre, bei 8 % rund 9 Jahre. Eine Näherung — exakt rechnet der Rechner.

Wie wirkt der Zinseszins beim Sparplan?

Der Effekt wirkt nicht nur auf ein einmaliges Startkapital, sondern auch auf regelmäßige Einzahlungen.

Bei einem Sparplan kommt jede monatliche Rate zum Kapital hinzu und wird ab dann ebenfalls verzinst. So überlagern sich zwei Wachstumstreiber: die fortlaufenden Einzahlungen und der Zinseszins auf das bereits Angesparte.

Ein Beispiel: 10.000 € Startkapital plus 200 € monatlich, 15 Jahre lang bei 5 % p. a., ergeben rund 73.765 € — davon etwa 27.765 € Zinsen bei 46.000 € eingezahltem Kapital. Wie sich Startkapital, Rate, Zinssatz und Laufzeit auswirken, lässt sich im Sparplan-Rechner und im Zinseszins-Rechner durchspielen.

Was bremst den Zinseszins?

Der Modellwert „vor Steuern und Inflation" ist die theoretische Obergrenze. In der Realität ziehen zwei Faktoren am Ergebnis.

Steuern: Auf Kapitalerträge fällt die Abgeltungsteuer von 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 % (ggf. zzgl. Kirchensteuer). Steuerfrei bleiben Erträge bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Person und Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung).
Inflation: Steigende Preise mindern die Kaufkraft des Ersparten. Entscheidend ist daher nicht der nominale, sondern der reale Wertzuwachs nach Abzug der Inflation. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber Inflation einfach erklärt.
Merksatz

Zeit schlägt Timing. Beim Zinseszins ist der Startzeitpunkt meist wichtiger als die perfekte Rendite — denn die größten Zuwächse entstehen in den letzten Jahren der Laufzeit.

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Häufige Fragen

Was ist der Zinseszins einfach erklärt?
Zinseszins bedeutet „Zinsen auf Zinsen". Werden Zinserträge nicht entnommen, sondern wieder angelegt, verzinst sich im Folgejahr auch der Zins mit. Dadurch wächst das Kapital über lange Zeiträume exponentiell statt linear.
Wie berechnet man den Zinseszins?
Für ein Startkapital ohne weitere Einzahlungen gilt: Endkapital = Startkapital × (1 + p)n, wobei p der jährliche Zinssatz als Dezimalzahl (5 % = 0,05) und n die Laufzeit in Jahren ist. Mit zusätzlichen Sparraten wird es komplexer — das übernimmt der Zinseszins-Rechner.
Was sagt die 72er-Regel?
Die 72er-Regel schätzt die Verdopplungszeit eines Kapitals: Jahre bis zur Verdopplung ≈ 72 ÷ Zinssatz. Bei 6 % sind das rund 12 Jahre, bei 3 % etwa 24 Jahre. Es ist eine Näherung, keine exakte Berechnung.
Muss ich auf den Zinseszins Steuern zahlen?
Ja. Auf Kapitalerträge fällt grundsätzlich Abgeltungsteuer von 26,375 % (25 % plus Soli) an, ggf. zuzüglich Kirchensteuer. Erträge bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Person und Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung) bleiben jedoch steuerfrei.
Warum ist Zeit beim Zinseszins so wichtig?
Weil das Wachstum exponentiell ist: Die jährlichen Zuwächse werden immer größer, und der mit Abstand größte Teil entsteht in den letzten Jahren der Laufzeit. Ein früher Start verlängert genau diese ertragreichste Phase.
Methodik & Quellen

Berechnungen nach der Zinseszinsformel (Aufzinsung). Steuerangaben: Abgeltungsteuer § 32d EStG (25 % + 5,5 % Soli nach § 4 SolzG), Sparer-Pauschbetrag § 20 Abs. 9 EStG. Beispielwerte mit angenommenen Zinssätzen, gerundet — allgemeine Information, keine Anlageberatung. Stand: Januar 2026.

Stand: 01.01.2026 Redaktion Rechify

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