Sparen & Anlegen · Grundlagen
Der Zinseszins ist der wohl stärkste Hebel beim langfristigen Sparen: Bereits gutgeschriebene Zinsen werfen im nächsten Jahr selbst wieder Zinsen ab. Über lange Zeiträume wächst das Kapital dadurch nicht linear, sondern exponentiell — mit Formel, Rechenbeispiel und den Faktoren, die den Effekt bremsen.
Zinseszins bedeutet Zinsen auf Zinsen: Wer einen Ertrag nicht entnimmt, sondern wieder anlegt, verzinst im Folgejahr nicht nur das Kapital, sondern auch die bereits erhaltenen Zinsen. Über Jahrzehnte wächst das Kapital dadurch exponentiell — aus 10.000 € werden bei 5 % in 30 Jahren rund 43.219 € statt 25.000 € bei einfacher Verzinsung.
Der Zinseszins ist der Zins, der auf bereits gutgeschriebene Zinsen anfällt. Werden Erträge im Kapital belassen (thesauriert), wächst die Verzinsungsbasis von Periode zu Periode — das Kapital entwickelt sich exponentiell statt linear.
Der Unterschied zeigt sich am einfachsten im Vergleich zur reinen, „einfachen" Verzinsung, bei der die Zinsen jedes Jahr ausgezahlt und nicht wieder angelegt werden. Ein Beispiel mit 10.000 € Startkapital und 5 % Zinsen pro Jahr:
Diese 25 € „Zins auf den Zins" wirken anfangs unscheinbar. Über Jahrzehnte aber summieren sie sich zu dem entscheidenden Unterschied — wie das Rechenbeispiel weiter unten zeigt.
Mathematisch lässt sich das Endkapital für ein Startkapital ohne weitere Einzahlungen mit einer kompakten Formel berechnen.
Für das Beispiel oben mit 10.000 € über 30 Jahre bei 5 %: 10.000 € × (1,05)30 = 10.000 € × 4,322 ≈ 43.219 €. Der exponentielle Term (1,05)30 ist der Kern des Zinseszins-Effekts — er steigt mit der Laufzeit überproportional an.
Werden Zinsen unterjährig — etwa monatlich — gutgeschrieben, fällt das Ergebnis minimal höher aus, weil die Zinsen früher mitverzinst werden. Pro Periode wird dann mit dem anteiligen Zinssatz (p ÷ 12) gerechnet. Bei üblichen Zinssätzen ist der Unterschied über die Jahre klein, aber spürbar.
Die Tabelle stellt für 10.000 € Startkapital bei 5 % Zinsen pro Jahr die einfache Verzinsung (Zinsen werden entnommen) dem Zinseszins (Zinsen bleiben angelegt) gegenüber. Beide starten gleich — und driften mit der Zeit immer weiter auseinander.
| Nach … | Einfache Zinsen | Mit Zinseszins | Differenz |
|---|---|---|---|
| Start | 10.000 € | 10.000 € | 0 € |
| 10 Jahren | 15.000 € | 16.289 € | +1.289 € |
| 20 Jahren | 20.000 € | 26.533 € | +6.533 € |
| 30 Jahren | 25.000 € | 43.219 € | +18.219 € |
Annahme: 10.000 € einmalig, 5 % p. a., jährliche Zinsgutschrift, keine weiteren Einzahlungen, vor Steuern und Inflation. Werte gerundet. Eigene Szenarien rechnest du im Zinseszins-Rechner.
Nach 30 Jahren liefert der Zinseszins mit rund 43.219 € fast das Doppelte der reinen Einzahlung — und über 18.000 € mehr als die einfache Verzinsung. Der Großteil dieses Vorsprungs entsteht erst in der zweiten Hälfte der Laufzeit. Genau deshalb ist der Faktor Zeit so entscheidend.
Beim Zinseszins zählt die Laufzeit oft mehr als die Höhe der Sparrate oder ein paar Zehntelprozent mehr Zinsen. Wer früh anfängt, lässt den Effekt länger arbeiten — und die exponentielle Kurve wird gerade gegen Ende am steilsten.
Eine bekannte Faustformel ist die 72er-Regel: Sie schätzt, nach wie vielen Jahren sich ein Kapital bei gegebenem Zinssatz ungefähr verdoppelt.
Der Effekt wirkt nicht nur auf ein einmaliges Startkapital, sondern auch auf regelmäßige Einzahlungen.
Bei einem Sparplan kommt jede monatliche Rate zum Kapital hinzu und wird ab dann ebenfalls verzinst. So überlagern sich zwei Wachstumstreiber: die fortlaufenden Einzahlungen und der Zinseszins auf das bereits Angesparte.
Ein Beispiel: 10.000 € Startkapital plus 200 € monatlich, 15 Jahre lang bei 5 % p. a., ergeben rund 73.765 € — davon etwa 27.765 € Zinsen bei 46.000 € eingezahltem Kapital. Wie sich Startkapital, Rate, Zinssatz und Laufzeit auswirken, lässt sich im Sparplan-Rechner und im Zinseszins-Rechner durchspielen.
Der Modellwert „vor Steuern und Inflation" ist die theoretische Obergrenze. In der Realität ziehen zwei Faktoren am Ergebnis.
Zeit schlägt Timing. Beim Zinseszins ist der Startzeitpunkt meist wichtiger als die perfekte Rendite — denn die größten Zuwächse entstehen in den letzten Jahren der Laufzeit.
Berechnungen nach der Zinseszinsformel (Aufzinsung). Steuerangaben: Abgeltungsteuer § 32d EStG (25 % + 5,5 % Soli nach § 4 SolzG), Sparer-Pauschbetrag § 20 Abs. 9 EStG. Beispielwerte mit angenommenen Zinssätzen, gerundet — allgemeine Information, keine Anlageberatung. Stand: Januar 2026.