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Kredit & Finanzierung · Grundlagen

Was ist der Effektivzins?

Der effektive Jahreszins ist die ehrlichste Preisangabe eines Kredits: Er bündelt Sollzins, unterjährige Verzinsung und preisbestimmende Kosten zu einer einzigen Vergleichszahl. Wer Kreditangebote vergleicht, schaut deshalb nicht auf den Sollzins, sondern auf den Effektivzins.

Stand: Juni 2026 Nach Preisangabenverordnung
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Der Sollzins ist der reine Zins auf die Kreditsumme. Der effektive Jahreszins rechnet zusätzlich die Zahlungsweise und die preisbestimmenden Kosten ein und drückt die Gesamtkosten als jährlichen Prozentsatz aus. Er liegt deshalb immer etwas über dem Sollzins — aus 6,5 % Sollzins werden so rund 6,70 % effektiv.

Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?

Beide Größen werden in Prozent pro Jahr angegeben, meinen aber Unterschiedliches.

  • Sollzins (Nominalzins): der reine Zinssatz, mit dem die jeweils offene Restschuld verzinst wird. Er bestimmt den Zinsanteil jeder Rate, sagt aber nichts über Zusatzkosten oder die Zahlungsweise aus.
  • Effektiver Jahreszins: die tatsächliche jährliche Kostenbelastung. Er fasst Sollzins, unterjährige Verzinsung und preisbestimmende Kosten zusammen — und ist damit die Zahl, an der sich Angebote ehrlich messen lassen.

Schon ohne jede Gebühr liegt der Effektivzins leicht über dem Sollzins, weil die Zinsen bei monatlicher Zahlung unterjährig berechnet werden. Kommen im Angebot weitere Kosten hinzu, steigt der Effektivzins weiter — der Sollzins bleibt davon unberührt.

Was fließt in den Effektivzins ein?

In den effektiven Jahreszins gehen alle Faktoren ein, die den Kredit über die Laufzeit verteuern.

Sollzins — die Grundlage der Zinsberechnung.
Unterjährige Verzinsung — werden die Zinsen monatlich statt einmal jährlich berechnet, wirkt der Sollzins effektiv etwas höher.
Auszahlungs- und Tilgungsmodalitäten — Auszahlungskurs (Disagio), Zeitpunkt der ersten Rate und der Tilgungsrhythmus beeinflussen die Kosten.
Vermittlungs- und Bereitstellungskosten, soweit sie zwingend mit dem Kredit verbunden sind.
Pflicht-Restschuldversicherung — nur dann, wenn der Abschluss Voraussetzung für die Kreditvergabe oder die beworbenen Konditionen ist.
Bearbeitungsgebühren sind passé

Separate Bearbeitungs- oder Kontoführungsgebühren für die reine Kreditbearbeitung sind bei Verbraucherkrediten seit den Urteilen des Bundesgerichtshofs von 2014 unzulässig. Vorsicht ist aber bei optionalen Zusatzprodukten wie einer Restschuldversicherung geboten — sie erhöhen die realen Kosten, auch wenn sie nicht immer im Effektivzins auftauchen.

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Beispiel: aus Sollzins wird Effektivzins

Allein durch die monatliche Verzinsung liegt der effektive Jahreszins bereits über dem Sollzins. Die Tabelle zeigt diesen reinen Zinseffekt — ganz ohne zusätzliche Kosten — für verschiedene Sollzinssätze. Genau so rechnet auch der Kreditrechner.

Sollzins p. a.Effektiver JahreszinsAufschlag
3,00 %3,04 %+0,04 %-Pkt.
5,00 %5,12 %+0,12 %-Pkt.
6,50 %6,70 %+0,20 %-Pkt.
8,00 %8,30 %+0,30 %-Pkt.
10,00 %10,47 %+0,47 %-Pkt.

Effektivzins = (1 + Sollzins ÷ 12)12 − 1, also nur die unterjährige Verzinsung ohne weitere Kosten. Reale Angebote enthalten ggf. zusätzliche Kosten, die den Effektivzins weiter erhöhen. Werte gerundet.

Je höher der Sollzins, desto größer auch der Abstand zum Effektivzins — der Zinseszins-Effekt innerhalb des Jahres fällt bei hohen Sätzen stärker ins Gewicht.

Was schreibt die Preisangabenverordnung vor?

Damit Verbraucher Kredite vergleichen können, schreibt der Gesetzgeber die Angabe des effektiven Jahreszinses vor.

Geregelt ist die Berechnung in der Preisangabenverordnung (PAngV); die einheitliche mathematische Methode geht auf eine EU-Verbraucherkreditrichtlinie zurück. Banken müssen den Effektivzins in der Werbung und im vorvertraglichen Informationsblatt nennen.

Wirbt eine Bank mit einem Zinssatz, muss sie zusätzlich ein repräsentatives Beispiel angeben. Es zeigt Konditionen, die mindestens zwei Drittel der Kunden tatsächlich erhalten, und enthält typischerweise:

  • Nettodarlehensbetrag (Kreditsumme),
  • gebundenen Sollzins und Laufzeit,
  • den effektiven Jahreszins,
  • die monatliche Rate und den Gesamtbetrag (Rückzahlung).
Bonitätsabhängige Zinsen

Viele Angebote werben mit „ab"-Zinssätzen. Der tatsächliche Sollzins — und damit der Effektivzins — hängt von deiner Bonität ab und kann deutlich höher liegen als der beworbene Bestwert. Verbindlich ist erst das individuelle Angebot.

Wie vergleicht man Kreditangebote richtig?

Der effektive Jahreszins ist die wichtigste, aber nicht die einzige Vergleichsgröße.

  • Gleiche Laufzeit und Kreditsumme: Nur bei identischen Eckdaten sind zwei Effektivzinsen direkt vergleichbar.
  • Gesamtbetrag im Blick behalten: Eine längere Laufzeit senkt die Monatsrate, erhöht aber die gesamten Zinskosten — trotz gleichem Effektivzins.
  • Zusatzprodukte prüfen: Eine optionale Restschuldversicherung taucht nicht immer im Effektivzins auf, verteuert den Kredit aber real.
  • Flexibilität: Kostenlose Sondertilgungen oder Ratenpausen haben einen Wert, der sich nicht im Zinssatz zeigt.

Wie sich Sollzins und Laufzeit konkret auf Rate, Zinskosten und Effektivzins auswirken, kannst du im Kreditrechner Schritt für Schritt durchspielen.

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Häufige Fragen

Was ist der Effektivzins einfach erklärt?
Der effektive Jahreszins gibt die jährlichen Gesamtkosten eines Kredits in Prozent der Kreditsumme an. Er enthält neben dem Sollzins auch die unterjährige Verzinsung und preisbestimmende Kosten und macht Kreditangebote dadurch vergleichbar.
Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?
Der Sollzins ist der reine Zins auf die Restschuld. Der Effektivzins fasst zusätzlich Zahlungsweise und preisbestimmende Kosten zusammen und liegt deshalb immer etwas höher. Für den Vergleich von Krediten ist der Effektivzins maßgeblich.
Warum ist der Effektivzins höher als der Sollzins?
Schon weil die Zinsen monatlich statt einmal jährlich berechnet werden, wirkt der Sollzins unterjährig wie ein etwas höherer Jahreszins. Aus 6,5 % Sollzins werden so rund 6,70 % effektiv. Zusätzliche Kosten erhöhen den Effektivzins weiter.
Welche Kosten stecken im Effektivzins?
Sollzins, unterjährige Verzinsung, Auszahlungs- und Tilgungsmodalitäten sowie zwingend mit dem Kredit verbundene Vermittlungskosten und eine etwaige Pflicht-Restschuldversicherung. Optionale Zusatzprodukte zählen nur mit, wenn sie Voraussetzung für den Kredit sind.
Ist der Effektivzins gesetzlich vorgeschrieben?
Ja. Die Preisangabenverordnung (PAngV) verpflichtet Kreditgeber, den effektiven Jahreszins anzugeben und ihn nach einer einheitlichen Methode zu berechnen. Bei Zinswerbung muss zusätzlich ein repräsentatives Beispiel genannt werden.
Methodik & Quellen

Grundlage: Preisangabenverordnung (PAngV) zur Berechnung und Angabe des effektiven Jahreszinses, beruhend auf der EU-Verbraucherkreditrichtlinie. Hinweis zu Bearbeitungsgebühren: BGH-Urteile vom 13.05.2014 (Az. XI ZR 405/12 u. a.). Die Beispielwerte zeigen ausschließlich die unterjährige Verzinsung ((1 + i)¹² − 1) ohne weitere Kosten — allgemeine Information, keine Kredit- oder Finanzberatung. Stand: Juni 2026.

Stand: 01.06.2026 Redaktion Rechify

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