Wie viel bleibt vom Brutto? Steuern und Sozialabgaben erklärt

Vom Bruttogehalt landet nur ein Teil auf dem Konto — der Rest geht an Finanzamt und Sozialversicherung. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, welche Abzüge das sind, wie groß sie ausfallen und warum die Steuerklasse so viel ausmacht.

Stand: Januar 2026 Sätze & Grenzen 2026

Wer 3.500 € brutto verdient, hat am Monatsende rund 2.300 € auf dem Konto. Die Differenz von etwa 1.200 € sind keine willkürlichen Abzüge, sondern setzen sich aus klar definierten Bausteinen zusammen: Steuern auf der einen, Sozialversicherungsbeiträge auf der anderen Seite. Wer diese Bausteine kennt, versteht seine Gehaltsabrechnung — und weiß, an welchen Stellschrauben sich etwas ändern lässt.

Brutto, netto und was dazwischen liegt

Das Bruttogehalt ist der vertraglich vereinbarte Lohn. Davon behält der Arbeitgeber zwei Arten von Abzügen ein und führt sie direkt ab:

  • Steuern ans Finanzamt: Lohnsteuer, gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
  • Sozialabgaben an die Sozialversicherung: Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Was übrig bleibt, ist das Nettogehalt — der Betrag, der tatsächlich überwiesen wird. Als grobe Orientierung bleiben bei mittleren Gehältern rund 62 bis 71 % des Bruttos netto übrig; je höher das Einkommen, desto kleiner der prozentuale Anteil.

Beispiel: 3.500 € brutto im Monat

So verteilen sich Brutto, Abzüge und Netto bei einer ledigen, kinderlosen Person in Steuerklasse I (Nordrhein-Westfalen, ohne Kirchensteuer):

Die Steuern

Lohnsteuer

Die Lohnsteuer ist die mit Abstand größte Steuerposition. Sie ist eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer und richtet sich nach Höhe des Gehalts und der Steuerklasse. Deutschland hat einen progressiven Steuertarif: Bis zum Grundfreibetrag (2026: 12.348 €) bleibt das Einkommen steuerfrei, darüber steigt der Steuersatz mit dem Einkommen an. Deshalb steigt bei einer Gehaltserhöhung der Steueranteil überproportional — ein Grund, warum vom Brutto-Plus oft weniger netto übrig bleibt als erwartet.

Solidaritätszuschlag

Der „Soli" beträgt 5,5 % der Lohnsteuer, wird aber seit 2021 erst oberhalb einer hohen Freigrenze fällig. Die allermeisten Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen zahlen heute keinen Solidaritätszuschlag mehr; relevant wird er erst bei deutlich höheren Gehältern.

Kirchensteuer

Wer einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört, zahlt Kirchensteuer — 8 % der Lohnsteuer in Bayern und Baden-Württemberg, 9 % in den übrigen Bundesländern. Bei Austritt entfällt sie. Für Konfessionslose fällt diese Position weg.

Die Sozialabgaben

Die vier Zweige der Sozialversicherung werden je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen (mit kleinen Ausnahmen). Auf der Gehaltsabrechnung erscheint nur dein Anteil. Die Beiträge werden nur bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze erhoben — Einkommensteile darüber sind beitragsfrei.

VersicherungBeitrag gesamt 2026dein Anteil
Krankenversicherung14,6 % + Zusatzbeitrag≈ 8,7 %
Pflegeversicherung3,6 % (kinderlos: +0,6 %)≈ 1,8–2,4 %
Rentenversicherung18,6 %9,3 %
Arbeitslosenversicherung2,6 %1,3 %

Beim KV-Zusatzbeitrag legt jede Krankenkasse ihren eigenen Satz fest (im Schnitt rund 2,9 % im Jahr 2026); die Hälfte davon trägst du. Bei der Pflegeversicherung zahlen Kinderlose ab 23 Jahren einen Zuschlag, Eltern mit mehreren Kindern dagegen weniger.

Beitragsbemessungsgrenzen 2026

Kranken- und Pflegeversicherung: bis 5.812,50 € im Monat. Renten- und Arbeitslosenversicherung: bis 8.450 € im Monat. Was du darüber verdienst, ist beitragsfrei — der Netto-Anteil steigt in diesem Bereich also wieder leicht.

Warum die Steuerklasse so viel ausmacht

Die Steuerklasse steuert, wie viel Lohnsteuer monatlich einbehalten wird. Sie ändert nichts an der Höhe der Sozialabgaben und auch nichts an der endgültigen Jahressteuer — diese wird erst mit der Steuererklärung exakt ermittelt. Die Steuerklasse verschiebt also nur, wann du wie viel zahlst.

  • Steuerklasse I: Ledige und geschiedene Arbeitnehmer.
  • Steuerklasse II: Alleinerziehende (mit Entlastungsbetrag, dadurch höheres Netto).
  • Steuerklasse III / V: Kombination für Ehepaare mit ungleichem Einkommen — der Hauptverdiener (III) zahlt wenig, der andere (V) viel.
  • Steuerklasse IV: Ehepaare mit ähnlichem Einkommen.
  • Steuerklasse VI: für den zweiten und jeden weiteren Job — hier sind die Abzüge am höchsten.

Wie stark sich das auswirkt, zeigt die Brutto-Netto-Tabelle: Bei 3.500 € brutto reicht das Netto je nach Steuerklasse von rund 1.960 € (Klasse V) bis 2.629 € (Klasse III).

Bleibt mehr netto übrig?

An den gesetzlichen Sätzen lässt sich nichts ändern — an einigen Stellschrauben aber schon: die für Ehepaare günstigste Steuerklassenkombination wählen, Freibeträge (etwa für Kinder oder Werbungskosten) eintragen lassen, eine Krankenkasse mit niedrigem Zusatzbeitrag wählen oder bei der Steuererklärung zu viel gezahlte Lohnsteuer zurückholen. Was eine konkrete Gehaltserhöhung netto bringt, rechnet der Gehaltserhöhung-Rechner aus.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent vom Brutto bleibt netto?
Bei mittleren Gehältern bleiben in Steuerklasse I rund 62 bis 71 % des Bruttogehalts netto übrig. Der Anteil sinkt mit steigendem Einkommen, weil die Einkommensteuer progressiv ist. Den exakten Wert für dein Gehalt zeigt der Brutto-Netto-Rechner.
Welche Abzüge gibt es vom Bruttogehalt?
Zwei Gruppen: Steuern (Lohnsteuer, ggf. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) sowie Sozialabgaben (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung). Die Sozialabgaben teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Senkt die Steuerklasse meine Steuerlast?
Nein. Die Steuerklasse bestimmt nur, wie viel Lohnsteuer monatlich vorausgezahlt wird. Die endgültige Jahressteuer ist davon unabhängig und wird mit der Steuererklärung ermittelt — zu viel Gezahltes wird erstattet, zu wenig nachgefordert.
Warum bleibt von einer Gehaltserhöhung so wenig übrig?
Durch den progressiven Steuertarif wird der zusätzliche Einkommensteil höher besteuert als das bisherige Gehalt. Zusammen mit den Sozialabgaben bleibt vom Brutto-Plus oft nur etwa die Hälfte netto übrig — solange du unter den Beitragsbemessungsgrenzen liegst.
Quellen & Stand

Beträge und Sätze nach dem Programmablaufplan für die maschinelle Lohnsteuerberechnung 2026 (BMF) sowie den gesetzlichen Werten der Sozialversicherung 2026 (Beitragssätze, Beitragsbemessungsgrenzen, Grundfreibetrag). Das Rechenbeispiel wird live mit der Rechify-Engine erzeugt. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Stand: Januar 2026 Redaktion Rechify BMF-PAP 2026 · SV-Werte 2026
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